Wie genau muss man sich an "Zeitenregeln" halten?

Alles zu den englischen Zeiten im Aktiv und Passiv.
Questions on tenses (Active and Passive).
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ChrisNoc123
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Wie genau muss man sich an "Zeitenregeln" halten?

Beitrag von ChrisNoc123 »

Hallo zusammen,

ich würde von mir selber behaupten schon einigermaßen gut Englisch sprechen zu können. Ich habe durch längere, mehrmonatige Reisen (USA, Kanada, Neuseeland, Australien) sehr gut Englisch gelernt. War schon in der Schule ganz gut, und habe durch das Leben in den entsprechenden Ländern auch viel umgangsprachliche Formulierungen und Phrasen kennengelernt.

Jetzt gehe ich seit einigen Wochen zur Berufsschule, wo ich nochmal die ganzen nervigen Zeitformen durchnehmen muss. Da werden einem dann so Regeln beigebracht wie "wenn es in der Vergangenheit anfängt und bis der Gegenwart anhält benutzt man Present Perfect, wenn er über die Gegenwart hinaus anhält Present Perfect Continous"
Oder "Wenn eine Handlung vor einem Zeitpunkt der Vergangenheit stattfindet dann Past Perfect Simple" etc etc.

Falls ich das alles in der 5 Klasse schonmal gelernt habe, erinnere ich das nicht. Ich spreche halt englisch nach Gefühl und liege damit immer ganz richtig. Ich habe auch bei meinen Auslandsaufenthalten nie das gefühl gehabt, daß der englische Muttersprachler sich an diese Regeln hält. Vielleicht ist es mir auch nicht aufgefallen.

Die Frage die ich mir nun stelle; hällt man sich im alltäglichem Sprachgebrauch wirklich an diese zeitlichen Regeln, wann man genau welche Zeit benutz? Und es fiel mir nie auf/ ich habs automatisch richtig gemacht?
Da achtet beim sprechen doch keiner drauf, ob ein Ereignis nun in der Vergangenheit angefangen hat und dort auch abgeschlossen ist, oder noch bis in die Gegenwart geht, ob eine bereits bestehende Absicht in der Zukunft angegeben wird oder ein spontaner Entschluss ist oder oder...

Sicherlich gibt es im Deutschen auch solche oder ähnliche Regeln und es hällt sich auch keiner wirklich dran. (Zumindest so empfinde ich es)
Wie nimmt er der nativ english speaker? Auch ehr locker und so wie es gerade passt? Oder hällt man sich da echt an die Regeln?

Einige Beispiele; Ich finds egal ob man nun sagt "He was walking thru that door when I saw him" oder "He walked thru that door when I saw him"
Ich finds auch egal ob ich sage "He was speaking" "He spoke" oder "He has been speaking". Würde der Ami da wirklich einen sinnhaften Unterschied in diesen 3 Formen sehen?
Im Deutschen ist es mir doch auch egal ob ich sage "er sprach" oder "er hat gesprochen". Wenn es klar ist, daß ich von der VErgangenheit erzähle benutze ich ja sogar die Gegenwartsform. Bsp: "Als ich gestern ein Buch gelesen habe, kommt er plötzlich rein" oder "... kam er plötzlich rein" oder "...ist er rein gekommen". Find ich alles egal. Ist es im englischen auch egal. Ich hab immer das Gefühl gehabt, ja.

Ich bin mal gespannt :-)

Danke schonmal




Keswick
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Re: Wie genau muss man sich an "Zeitenregeln" halten?

Beitrag von Keswick »

ChrisNoc, lass mich ehrlich mit dir sein: Ich verstehe deine Argumentation durchaus. Du gehst nach deinem Gefuehl, das ist auch in Ordnung, aber Fehler, die ein Auslaender macht, werden von Muttersprachlern so gut wie nie verbessert. Warum? Weil man ihm nicht die Bloesse geben will, dass er einen Fehler gemacht hat. Ich lebe seit einigen Jahren in England und es kommt selten vor, dass mich jemand verbessert und wenn dann macht das mein Mann. Es kommt vor, dass ich etwas sage und kurz darauf bemerke, dass das falsch war. Dennoch hat mich niemand verbessert. Einfach aus Hoeflichkeit. Ich will damit sagen, dass du Englisch sprichst und wie es scheint der Meinung bist, dass es super ist, weil dich niemand verbessert. Aber das ist vermutlich ein Trugschluss. Das faengt schon bei Kleinigkeiten an. Wenn ich in deinem Text lese
"He was walking thru that door when I saw him"

kriege ich Gaensehaut. "Thru" bedeutet bis, durch oder bis einschliesslich. Through ist das Wort, das hier verwendet werden muss, auch wenn sich die Worte je nach Sprachgegend vermeintlich gleich anhoeren.

Was deine Beispiele angeht:
Einige Beispiele; Ich finds egal ob man nun sagt "He was walking through that door when I saw him" oder "He walked through that door when I saw him"
Ich finds auch egal ob ich sage "He was speaking" "He spoke" oder "He has been speaking". Würde der Ami da wirklich einen sinnhaften Unterschied in diesen 3 Formen sehen?
Das ist durchaus nicht egal !

Du sprichst falsches Englisch und selbst wenn dich - wie oben erwaehnt - niemand verbessert ist es dennoch falsch. Wenn du ein halbes Jahr im Ausland bist, denkt sich kein Muttersprachler etwas dabei, auch bei einem Jahr nicht, vielleicht sogar eineinhalb. Aber wenn ich jemandem - egal ob einen Auslaender in England, oder einem Auslaender in Deutschland - begegne, der nach mehreren Jahren immernoch so gravierende Fehler macht, dann denke ich mir meinen Teil. "Habe ich zu mein Mutter gesagt".. was wuerdest du dir da denken, wenn das jemand sagt, der 2 und mehr Jahre in Deutschland lebt und mit dieser Sprache jeden Tag umgeht? Es ist sicherlich immer eine Frage des Sprachgefuehls, aber jemand der behauptet ein gutes Sprachgefuehl zu haben, darf solche Fehler nicht machen und der darf sich meiner Meinung nach auch nicht einbilden, dass es zwischen "He was walking through that door when I saw him" oder "He walked through that door when I saw him" keinen Unterschied gibt.

Du kannst von mir aus gerne mal einen Text schreiben, in "deinem" Englisch, nach "deinem" Sprachgefuehl und ich verbessere ihn dir gerne. Und sei mir nicht boese, wenn ich hier so stockehrlich mit dir bin, aber im Endeffekt ist es dein Eindruck auf andere den du mit einer solchen Einstellung schadest. Du musst auch folgendes bedenken: Stell dir vor du entscheidest dich ins englischsprachige Ausland zu gehen und bewirbst dich fuer einen Job im Kundendienst, ob jetzt Call-Centre, Retail oder aehnliches. 2 Kandidaten, beide super-qualifiziert aber der eine hat ein wenig Erfahrung mehr. Wen nehmen sie? Den der ein bisschen weniger Erfahrung hat, aber dessen Englisch gut ist oder den mit ein bisschen mehr Erfahrung mit schlechterem Englisch, der ggf. den Kunden nicht das uebermitteln kann, was gefragt ist. Ich arbeite hier im Senior-Team, bin u.a. fuer Bewerbungsgespraeche zustaendig, fuehre sie also mit. Ich weiss fuer wen ich mich entscheiden wuerde.

Es gibt durchaus Muttersprachler, die es mit der Grammatik nicht so genau nehmen, aber Sprache ist wichtig, aus sozialen und anderen Gruenden. Es gibt hier durchaus Leute, die mit Menschen deren Grammatik fehlerhaft ist nicht reden. Wieso nicht? Weil sie sie nicht verstehen. Und je aelter man wird, desto wichtiger wird die Sprache, denn sie beurteilt dich. Ich weiss nicht wie alt du bist und ich gebe zu, es gibt Teenager, die ich nicht (mehr) verstehe, aber auch ein Teenager, der sich aus Zugehoerigkeitsgruenden in eine Sprachebene begibt, muss sich irgendwann auf eine andere Stufe begeben. Sonst bleibst du stecken und ich kenne jemanden, 46 Jahre alt, der spricht wie ein Teenager. Man lacht ueber ihn und grenzt ihn teilweise aus.

Nichts fuer ungut, Chris, aber denk darueber bitte mal nach. Grammatik lernen ist nervig, das weiss ich ebensogut wie du. Aber investiere die Zeit lieber als dich ins soziale Aus zu schiessen.
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ChrisNoc123
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Re: Wie genau muss man sich an "Zeitenregeln" halten?

Beitrag von ChrisNoc123 »

Vielen Dank für die ausfürliche Antwort, nur leider beantwortet das weder wirklich meine Frage, noch sagt du, was an meinen Beispielen denn konkret falsch ist. Du sagst nur DAS es falsch ist, bzw. mein Sprachgefühl nicht richtig sei. Für eine entsprechende Verbesserung/Aufklärung wäre ich sehr dankbar.

Mein Hauptpunkt ist eben der Vergleich zum deutschen. Ich würde mal sagen so gut wie keiner spricht grammatikalisch komplett richtiges Deutsch. Im Gegenteil. Es werden X Fehler gemacht, und es ist normal/fällt niemandem auf. Ist eben Umgangsprache. Im Deutschen springen wird beim reden auch wie wild durch die Zeiten und halten uns an eventuell vorhandene Regeln nicht. Wie ist es denn da eben bei dem Amerikaner, Kanadier oder Australier?

Für mich ist auch nochmal zu unterscheiden zwischen "Grammatik" und "Zeit-Regeln". Daß ich die richtigen Vergangenheitsformen der Verben benutze, bei he/she/it ein s ranhänge etc. All solche Sachen. Das ist für mich Grammatik. Meine eigentliche Frage war eben, wie sehr ich mich an die Vorgabe, wann man welche Zeit benutzt, halten muss.

Ich gebe dir in vielem, was du geschrieben hast recht, aber es geht ein wenig an meiner eigentlichen Frage vorbei :tongue:

PS; mir hat ein Amerikaner "beigebracht", daß through und thru das selbe sind. Thru eben die amerikanische, umgangssprachliche Version ist.

Keswick
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Re: Wie genau muss man sich an "Zeitenregeln" halten?

Beitrag von Keswick »

1. Thru und Through sind nicht dasselbe, kannst du in jedem Woerterbuch nachschlagen.
2. Muss du auch was die Umgangssprache angeht zwischen schriftlicher und muendlicher Umgangssprache unterscheiden. Umgangssprache schoen und gut, aber Uebernahme ins Schriftliche ist grundsaetzlich falsch.

3. Ja, du musst dich an die Zeiten halten! Von mir aus kannst du gerne springen wie du willst, mir koennte es schliesslich egal sein, ob man hinter deinem Ruecken ueber dich spricht. ABER: Ich finde es ein Unding, wenn Leute sagen, sie moegen die englische Sprache und sie haetten ein Gefuehl dafuer und dann wollen sie nicht mal die Anstrengung investieren die richtige Grammatik zu lernen. Das hat fuer mich nichts mit Liebe zur Sprache zu tun, sondern ist fuer mich ein Zeichen davon, dass man oberflaechlich etwas darstellen will, aber eigentlich keine Lust hat tiefer in die Materie einzutauchen. Durchaus moeglich, dass es hier auch auf den sozialen Umgang ankommt, aber wenn einer meiner Bekannten oder Kollegen ploetzlich sagen wuerde "I have been ill yesterday" wuerde es mich schuetteln und ich wuerde mich fragen, wo der denn sein Englisch gelernt hat.

4. Unterschiede:
He was walking through that door when I saw him
Er ging gerade (zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Vergangenheit) durch diese Tuer, als ich ihn sah = Past Progressive + Simple past. Als du ihn gesehen hast, hat er in diesem Moment etwas getan = Verlaufsform

He walked through that door when I saw him
Er ging durch diese Tuer als ich ihn sah. Das macht auch im Deutschen keinen Sinn. Er hat die Handlung durch die Tuer zu gehen gerade abgeschlossen, also du ihn gesehen hast. Und was tut er jetzt? Selbst wenn er nun ploetzlich nur im Raum stuende, wuerdest du dennoch die Verlaufform verwenden, da er ja zu diesem Zeitpunkt in der Vergangenheit GERADE etwas getan hat. Er hoert doch nicht ploetzlich damit auf und loest sich in Luft auf.

Zum Nachlesen: http://www.englisch-hilfen.de/grammar/g ... essive.htm

Und wenn du Fragen hast, dann frag. Vielleicht kann ich dich ja doch noch ueberzeugen, dass Grammatik wichtig ist! :D
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ChrisNoc123
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Re: Wie genau muss man sich an "Zeitenregeln" halten?

Beitrag von ChrisNoc123 »

Keswick hat geschrieben:
4. Unterschiede:
He was walking through that door when I saw him
Er ging gerade (zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Vergangenheit) durch diese Tuer, als ich ihn sah = Past Progressive + Simple past. Als du ihn gesehen hast, hat er in diesem Moment etwas getan = Verlaufsform

He walked through that door when I saw him
Er ging durch diese Tuer als ich ihn sah. Das macht auch im Deutschen keinen Sinn. Er hat die Handlung durch die Tuer zu gehen gerade abgeschlossen, also du ihn gesehen hast. Und was tut er jetzt? Selbst wenn er nun ploetzlich nur im Raum stuende, wuerdest du dennoch die Verlaufform verwenden, da er ja zu diesem Zeitpunkt in der Vergangenheit GERADE etwas getan hat. Er hoert doch nicht ploetzlich damit auf und loest sich in Luft auf.
Natürlich stimme ich dir zu DAß es einen (sinnhaften) Unterschied gibt. Die Frage ist eben, ob sich der Ami (ich beziehe das alles jetzt mal auf Amerika, da ich dazu den größten Bezug habe) beim Sprechen das wirklich merkt, bzw. darauf achtet. Wenn ich die "walked" Version nehme, würde mein gegenüber wirklich darüber stolpern und sich innerlich fragen "Moment mal, und was macht der dann nach dem Abschluss der Handlung des durch die Tür gehens?" Das erscheint mir doch etwas sehr kleinlich. Im übrigen sagst du, es macht auch im deutschen keinen Sinn. Ich finde das macht total Sinn, ist verständlich und im normalen Sprechen würde mir da nichts falsches auffallen.

Nimms mir nicht übel, aber du machst einen sehr festgefahrenen Eindruck. Für dich ist nur formales Englisch, wie man es schreiben würde, richtiges Englisch. Alles was davon abweicht, ist falsch. Aber niemand spricht so wie er schreibt.
Umgangssprache ist eben immer irgendwie "falsch".
Bei einer Aussage wie "There ain't no reason" müsste sich dir ja alles umdrehen innerlich. Trotzdem ist das für mich etwas richtiges. Ich würde es niemals schreiben, aber im alltäglichen Sprachgebrauch empfindet das doch niemand als FALSCH. Umgangssprachlich, ja. Aber nicht falsch.

Selbstverständlich hat jede Zeitform ihre Berechtigung und es gibt einen innerlichen Unterschied zwischen all diesen. Welchen Gedanken ich nur durchzusetzten versuche ist; fällt es auf? Fragt sich der Ami, wenn ich ihm eine Geschichte erzähle beim Sprechen tatsächlich "Hat es in der Vergangenheit angefangen und ist dort auch abgeschlossen worden, und deswegen muss er jetzt simple past benutzen, oder hat er in der Vergangenheit angefangene Prozess noch Auswirkungen auf die Gegenwart und er muss deswegen present perfect benutzen"?
Das fällt dem doch nicht auf ob ich "I have worked" und "I worked" benutze.

Anderes Beispiel; "He has been one of the gratest" oder "He was one of the greatest". Es gibt einen Unterschied. Klar. Aber ist das Eine richtiger als das Andere? Meiner Meinung nach nicht.

Empfindest du es im Deutschen denn auch als falsch, wenn jemand in den Zeiten hin und her springt und sich an entsprechende Regeln nicht hält? Denn meine eigentliche Frage bezog sich ja auf den Vergleich Englisch-Deutsch. Stimmst du mir zu, daß es im Deutschen egal ist, welche Zeit ich benutze bzw daß es niemandem auffällt? Denn wir Deutschen achten (beim Sprechen) komplett null drauf und niemand merkt es. Muss man im Englischen genauer damit sein, oder kann damit genau so locker umgehen und es fällt auch keinem auf? Ich meine eben auch nicht die "Lehrbuch-Meinung" sondern die lebensnahe Alltagssituation. Wie viele Deutsche merken nicht daß "gewunken" "einzigste" oder "diesen Jahres" falsch sind. Trotzdem sagen es X deutsche Muttersprachler so. Zugegeben, der Vergleich hinkt, weil das wieder der Unterschied ist zwischen Grammatik und Zeitformen, wie ich ihn oben schonmal angesprochen habe. Aber du weißt was ich meine.

Ich möchte nicht Erkenntnissresistent erscheinen oder mich dagegen wehren etwas zu lernen. Im Gegenteil. Darum habe ich das Thema hier eröffnet; um was zu lernen. Aber mir geht es nicht um "Lehrbuchenglisch", "Oxford Englisch", "BBC Englisch" oder wie auch immer man das Equivalent zu "Perfektem Duden-Deutsch" nennen mag.
Ich möchte auch nicht ignorant gegenüber dem "richtigen" Englisch wirken. Es geht mir halt um eine ralitätsnahes-und-alltagstaugliches Englisch. Stolpert der Ami über meine "unpassenden" Zeitformen? Nocheinmal betont; im Deutschen ist es egal (ich weiß, ist es eigentlich nicht. Theoretisch. Praktisch eben aber doch). Ist es im Englischen genau so egal?

Ich bin gespannt, ob wir irgendwie nochmal zusammen finden :wink: Ich hab das Gefühl wir reden ein wenig aneinander vorbei.

Keswick
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Re: Wie genau muss man sich an "Zeitenregeln" halten?

Beitrag von Keswick »

Gleich mal zu deinem neuen Beispiel. "He has been one of the greatest" = er war einer der Besten und ist es noch immer. "He was one of the greatest" = er war einer der Besten und ist es nicht mehr (weil er tot ist). Und ja, die Tatsache ob der gute Mann noch lebt oder nicht mehr, finde ich schon einen sehr wichtigen Unterschied, du etwa nicht?

Und nein, ich finde es auch bei einem Deutschen nicht egal, ob er grammatikalisch richtig oder falsch spricht. Das hat etwas mit Wissen und Niveau zu tun, und ich persoenlich finde es einfach schlimm, wenn Leute, obwohl sie es besser wissen sollten falsche Zeitformen verwenden. Es gibt einen Unterschied zwischen "ich habe gelernt" und "ich lernte" und wenn ich das im Schriftlichen unterscheide, dann kann ich mir doch bitte auch die Muehe machen, es im Muendlichen zu unterscheiden. Ja und es gibt einen Unterschied zwischen Dativ und Akusativ, auch wenn uns die liebe Verona Pooth vormacht, dass es ja gar nicht so schlimm ist, wenn man die beiden nicht unterscheiden kann.

Es ist weder im Englischen egal, ob du die Zeiten verwechselst, noch im Deutschen, im Franzoesischen oder in Urdu. Du kannst gerne so sprechen wie du meinst dass es richtig ist, aber erwarte nicht, dass du die Leute damit ueberzeugst. Und nein, ich glaube nicht, dass wir uns bei diesem Thema zusammenfinden. Ich bin bei weitem kein Sprachpurist, aber ich bin Sprachwissenschaftler und der Meinung, dass man sich, wenn man sich mit Sprachen befasst - der eigenen und Fremdsprachen - eine gewisse Sorgfalt an den Tag legen sollte.
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Duckduck
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Re: Wie genau muss man sich an "Zeitenregeln" halten?

Beitrag von Duckduck »

Hallo Ihr Beiden!

Ich habe Eure Beiträge mit Interesse gelesen und will mich nun auch mal zu Wort melden.

@ChrisNoc
Was ist denn nun eigentlich Deine Absicht?
Du hast eine Frage gestellt und Keswick hat sie Dir beantwortet. Nun, offenbar nicht so, wie Du es gerne wolltest, aber wenn Du sowieso eine feste - wenn ich persönlich auch finde: falsche - Überzeugung hast, warum dann noch fragen?

Was erwartest Du denn als Antwort: Ja? Nein?
Natürlich gibt es Amis, denen grammatische Regeln nicht geläufig oder wichtig sind - weder beim Sprechen noch beim Schreiben oder Singen. Ja und?
Dass es Menschen gibt, die Fehler in einer Sprache - sogar in ihrer Muttersprache - machen..., ist das ein Grund, dass wir uns ihnen anschließen und auch reden, wie es uns gerade einfällt? Ich finde es schwierig und - wie Keswick - sogar schlimm, wenn ein Mensch, der es sogar "besser" weiß, falsch redet, um vielleicht "cool" zu wirken.
Was in den letzten Jahren mit der deutschen Sprache in einigen Gruppen passiert ist, ist das vielleicht schön? Brocken anstelle von Sätzen?

Du hast schon Recht, dass im Deutschen die Unterscheidung z.B. zwischen Präteritum und Perfekt nicht mehr streng eingehalten werden muss.
ABER im BrE ist das eben noch anders!!!
Wohl ist es im AmE nicht mehr so signifikant und tatsächlich wird viel öfter das Perfekt verwendet als im BrE. So what?

Sprich so, wie Du es für gut hältst, by all means. Aber erwarte nicht, dass Menschen, die sich bemühen, anderen Menschen die Schönheit und Vielfalt der englischen Sprache zu erklären, Dir Beifall spenden, wenn Du sinngemäß sagst: "Ist doch alles Wurscht. Da macht sich doch kein Muttersprachler Gedanken drum...".

Abgesehen davon: Wenn Du Dir eben noch mal kurz den Verlauf des Spracherwerbs vor Augen führst, ohne jetzt zu wissenschaftlich zu werden, Baby und Kleinkind lernen ihre Muttersprache nicht anhand von Regeln, sondern durch Imitation. D.h. ein Engländer wird nicht in die Verlegenheit kommen, erst an Regeln rumüberlegen zu müssen, weil er aus dem Imitierten heraus gelernt hat - entweder richtig oder falsch, das ist Glückssache. Aber wenn wir Anderen eine Sprache beibringen und sie ja nicht alle für Jahre ins Ausland schicken können, dann müssen wir eben anhand von Regeln vorgehen. Dass es im Sprechen Abweichungen geben kann und gibt, ist doch gar nicht bezweifelt worden.
So, und nun soll's gut sein... Jedem Tierchen sein Plaisierchen... :spin:

Have a nice day
Duckduck
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Keswick
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Re: Wie genau muss man sich an "Zeitenregeln" halten?

Beitrag von Keswick »

Danke Duckduck, fuer deinen Beitrag und danke, dass ich erkenne, dass ich mit meiner Meinung nicht alleine in weiter Flur stehe. :big_thumb:
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ChrisNoc123
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Re: Wie genau muss man sich an "Zeitenregeln" halten?

Beitrag von ChrisNoc123 »

Keswick hat geschrieben:Gleich mal zu deinem neuen Beispiel. "He has been one of the greatest" = er war einer der Besten und ist es noch immer. "He was one of the greatest" = er war einer der Besten und ist es nicht mehr (weil er tot ist). Und ja, die Tatsache ob der gute Mann noch lebt oder nicht mehr, finde ich schon einen sehr wichtigen Unterschied, du etwa nicht?
Du gibst mir damit die perfekte Vorlage um nochmal mein ursprüngliches Anliegen deutlich zu machen; Fällt dieser Unterschied dem Amerikaner wirklich auf? "Hört" der wirklich die inhaltliche Unterscheidung raus?


Keswick hat geschrieben: Es gibt einen Unterschied zwischen "ich habe gelernt" und "ich lernte" und wenn ich das im Schriftlichen unterscheide, dann kann ich mir doch bitte auch die Muehe machen, es im Muendlichen zu unterscheiden.
Ich sehe da keinen Unterschied. Wirklich nicht. Es mag an mangelnder Bildung liegen, aber wenn es der Mehrheit der Leuten nicht auffällt, und das dürfte so sein, ist das für mich richtig.
Duckduck hat geschrieben:
@ChrisNoc
Was ist denn nun eigentlich Deine Absicht?
Du hast eine Frage gestellt und Keswick hat sie Dir beantwortet. Nun, offenbar nicht so, wie Du es gerne wolltest, aber wenn Du sowieso eine feste - wenn ich persönlich auch finde: falsche - Überzeugung hast, warum dann noch fragen?
Ich bin eben der Überzeugung, daß jeder deutsche Muttersprachler Fehler im Sprechen macht (eben immer bezogen auf die Zeitformen). Für mich ist "ich habe gelernt" und "ich lernte" absolut identisch. Und ich würde behaupten weit über 90% der Deutschen sehen es ähnlich. Wenn aber auch im Deutschen die nicht-einhaltung dieser zeitlichen Regeln falsch ist, dann würde ich, deiner/eurer Meinung nach kein gutes Deutsch sprechen. Trotzdem käme doch niemals jemand auf die Idee, daß ich kein Muttersprachler bin. Vorrausgesetzt ein Ausländer hätte null Akzent und würde die selben alltäglichenm Schnitzereien begehen wie ich, dann würde er überhaupt nicht auffallen.
Duckduck hat geschrieben:
Du hast schon Recht, dass im Deutschen die Unterscheidung z.B. zwischen Präteritum und Perfekt nicht mehr streng eingehalten werden muss.
ABER im BrE ist das eben noch anders!!!
Wohl ist es im AmE nicht mehr so signifikant und tatsächlich wird viel öfter das Perfekt verwendet als im BrE. So what?
Es heißt ja auch oft, daß Briten "besseres" Englisch sprechen als Amerikaner. Aber ich orientiere mich eben an letzterem.

Duckduck hat geschrieben:
Sprich so, wie Du es für gut hältst, by all means. Aber erwarte nicht, dass Menschen, die sich bemühen, anderen Menschen die Schönheit und Vielfalt der englischen Sprache zu erklären, Dir Beifall spenden, wenn Du sinngemäß sagst: "Ist doch alles Wurscht. Da macht sich doch kein Muttersprachler Gedanken drum...".
Das sage ich nicht nur sinngemäß, genau der Meinung bin ich. Wenn es einem Muttersprachler nicht auffällt, ist das für mich "gutes" Englisch. Es mag nicht schön sein, und ich werde mich damit bei Sprachpuristen und -wissenschaftler natürlich damit unbeliebt machen. Aber wie ich oben schon erwähnte; mir geht es ehr um alltagstauglichkeit und um "nicht als Ausländer auffallen" als um perfekte einhaltung aller Regeln

Keswick
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Re: Wie genau muss man sich an "Zeitenregeln" halten?

Beitrag von Keswick »

Chrisnoc, sei mir nicht boese, aber ich glaube nicht, dass wir auf einen Nenner kommen weil hier Meinungen aufeinanderprallen. Und ich bin nach wie vor der Meinung, dass du eigentlich nur den einfachen Weg aus der Affaere suchst, weil du einfach keine Lust hast Grammatik zu lernen.
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George
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Re: Wie genau muss man sich an "Zeitenregeln" halten?

Beitrag von George »

Hi ChrisNoc123,
ich denke, du machst es dir zu einfach.

Ich möchte auch nicht noch einmal wiederholen, was Keswick und Duckduck geschrieben haben. Denn sie haben alles gesagt. Deswegen mache ich den Thread jetzt zu.

CU
George

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