Kapitalfehler im Sprachenunterricht?

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tivo
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Kapitalfehler im Sprachenunterricht?

Beitrag von tivo »

Hallo zusammen! - Ich suche Meinungen/Erfahrungen zu folgenden Punkten. Bitte beteiligt euch rege! Besten Dank!

Trotz neuer Lehrwerke bin ich recht unzufrieden mit dem Stil, nach welchem in unseren Schulen Sprachen gelernt werden sollen. Mir scheint, dass tatsächlich grundlegende Dinge falsch gesehen werden - ich befürchte aber noch mehr, dass diese Dinge überhaupt nicht "gesehen" oder bedacht werden, da sie dermaßen "normal" sind, dass sie kaum jemand kritisch betrachtet?
Es sind vor allem folgende Punkte, die mich umtreiben:

-das typische Vokabel"lernen" nach Listen am Ende des Lehrbuches (Natürlich gibt es da die so gerühmten Vokabelkarten etc., allerdings kommt mir dies so vor: Es sind keine didaktisch-guten Lösungen sondern Notkrücken um eine grundsätzlich ineffiziente Lernweise möglichst gut umzusetzen.) Mein Wunsch wäre das Lernen und fortlaufende Anwenden von sinnvollen Sprachblöcken (wie im Mutterspracherwerb) anstelle vom Drübergehen über (möglichst viele) sinnentleerte Einzelwortentsprechungen oder Minisätze. Darüberhinaus besteht das Problem, dass englische Worte im Gedächtnis nicht mit deutschen verknüpft werden sollten, sondern mit Bildern und Vorstellungen von Situationen (vgl. Muttersprache).

-Sprachenlernen sollte sich meiner Ansicht nach eher am Sportunterricht als am Matheunterricht orientieren. Was soll das bedeuten? In Mathe (oder auch in den Naturwissenschaften habe ich bei allen Problemen/Themen die Möglichkeit darüber (in Ruhe) nachzudenken, ehe ich "handle". Im Sport hingegen werden neue Abläufe (z.B. Weitsprung) zuerst sehr bewusst geübt, Ziel ist es aber eine unbewusste Ausführung zu erreichen. Erst wenn die Vorgänge in Fleisch und Blut übergegangen sind, also vom Unterbewusstsein gesteuert werden, wird ein flüssiger Ablauf erreicht. Das Bewusstsein ist mit solchen komplexen Aktionen im Sekunden(bruchteil)bereich überfordert, während die unterbewussten Intelligenzen hier in ihrem Element sind. - Das gleiche Prinzip halte ich für entscheidend im Sprachenlernen: Erst wird in der Phase der Bewusstmachung (langsam) erkannt, imitiert, geübt und angewandt, doch wo ist anschließend (fest eingeplant wohlgemerkt) die Phase der "Unterbewusstmachung"? Wie wird das Neue planmäßig ins Unterbewusstsein überführt, so dass das Bewusstsein des Lerners vom ständigen Nachdenken und Kontrollieren entlastet wird und sich endlich auf das Denken und auf das konzentrieren kann, was man tatsächlich sagen will? Das wäre doch der Moment, wo die Sprachproduktion endlich ihre furchtbar hemmende, quälende Seite verliert - der Kopf wird entlastet vom ständigen Formulieren und Hin-Her-Übersetzen (das wohl auch vom typischen Vokabellernen herrührt, oder?).

-Aus der Medizin weiß man, dass im Gehirn "Informations-Trampelpfade" allmählich zu "Datenübertragungs-Highways" ausgebaut werden, vorausgesetzt sie werden wieder und wieder aktiviert, optimalerweise in positiver Grundstimmung. Um bei diesem Bild zu bleiben: Sind wir damit zufrieden, wenn Schüler mit allerlei Merksätzen und Grammatikregeln als Orientierungsskizzen durch die Sprachenwelt stolpern oder wollen wir, dass sie geradezu intuitiv, schnell und sicher in der Fremdsprache agieren können? - Dann müssten wir doch viel, viel mehr Zeit mit Wiederholungen verwenden, aber nicht mit Grammatikregelwiederholungen, sondern mit dem fortlaufenden Re-Aktivieren von Sprachblöcken, die in typischen Situationen auftreten. Vielleicht sollten wir öfter daran denken, dass wir gehirnphysiologisch betrachtet im Grunde darum bemüht sind, dass sich im Lernergehirn synaptische Verbindungen ausbilden und stabilisieren - und dafür gibt es eben die wesentliche Voraussetzung der ständigen Wiederbenutzung genau dieser synaptischen Verbindung: "use it or lose it".
Wenn man davon abgesehen weiß, welche enorme Bedeutung die sogenannten Spiegelneuronen für Verhaltens- und Lernprozesse beim Menschen haben, dann ist mir auch nicht recht klar, warum das reine Imitieren oder auch das Auswendig-Wiedergeben (etwa im Rollen-/Theaterspiel) so selten praktiziert werden ("... man muss ja noch 4 Units und so viel Grammatik durchkriegen ..." - eine schlechte Schulmethode möglichst gut ausführen???).


In den letzten Jahren habe ich verschiedene außerschulische Sprachenlernmethoden zusammengetragen, die sehr, sehr ähnliche Punkte kritisieren und alternative Wege anbieten. - Hat vielleicht jemand schon Schulerfahrungen dazu gesammelt?

Viele Grüße!




Timo
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Beitrag von Timo »

Nein, leider nicht. Mich würden aber die Alternativen sehr interessieren.

Lg
Timo

tivo
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Alternativen: Beschreibung folgt

Beitrag von tivo »

Hi! - Danke für das Interesse.
Gemäß den Konditionen dieses Forums, kann ich die alternativen Sprachenlernmethoden, soweit ich sie kenne, hier nicht nennen, da sie (bisher noch) alle einen kommerziellen Beigeschmack haben. - Aber ich will in Kürze in einem weiteren Post versuchen, die Aspekte aufzuzeigen, die diese Methoden verbinden bzw. in denen sie deutlich von der schulischen Methodik abweichen.

Bis bald also.

tivo
Slow Speller
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Alternative Sprachenlernmethoden (Input-basiert)

Beitrag von tivo »

Alternative Sprachenlernmethoden

Alle mir bekannten alternativen Sprachenlernmethoden gehen von der enormen Fähigkeit des Menschen zur Imitation aus. Dies wird für das Sprachenlernen benutzt. Man orientiert sich teilweise am Mutterspracherwerb und übernimmt Prinzipien daraus. Das wohl wichtigste Prinzip dabei ist Input. Ein Lerner muss viel und regelmäßig der Sprache (in guter Qualität) ausgesetzt sein, allerdings nicht ständig wechselnden Sprachbeispielen, sondern wieder und wieder denselben, so dass seine Gedächtnis diese effektiv abspeichert! Die Sprachproduktion, der Output, wird immer dem Input nachgestellt, es wird also Input wiedergegeben/imitiert und so Output generiert; mit fortschreitender Sicherheit, also mit größerem inneren Spracharchiv, wird mehr und mehr nicht nur Input imitiert sondern ganz automatisch auch manipuliert, um „eigenen“ Output zu erzeugen. Ein anderes wichtiges Prinzip ist, dass das mühevolle Zusammenpuzzeln von Sprach-Output als ungünstig gesehen wird; das Erzeugen von Sprach-Output anhand von Grammatikregeln bzw. gelernten Vokabellisten wird grundsätzlich nicht nur abgelehnt, sondern als extrem störend gesehen, da es dabei ständig zu falschen Konstruktionen kommen muss (was deprimiert und die Fortentwicklung des Lerners in der Sprache stört) und der Fokus des Lerners um Regeln und nicht um Bedeutung kreist. Anstelle dessen wird immer „sauberer“ Input und Imitation als Dreh- und Angelpunkt genutzt. (Was, wenn man genau darüber nachdenkt, bei Erwerb und Anwendung der Muttersprache nicht anders ist! Und hier funktioniert es ja durchaus effektiv ohne Grammatik und isolierte Vokabellisten.)

Jetzt aus meiner Sicht: Ich will ganz einfach, dass meine Schüler nicht bei jeder Äußerung, bei jedem Satz mühsam zwischen Regeln und Vokabeln rumstelzen, somit stockend formulieren und schließlich alles doch voller Fehler und Ausspracheprobleme ist – das macht einfach auch keinen Spaß. Sie sollen vielmehr Sprachblöcke im Kopf gespeichert haben, auf die sie unkompliziert und mühelos je nach Situation zugreifen können: da kann ich so sagen; das habe ich schon mal so gelesen; in dem Text xy hat der Autor das auf die Art und Weise ausgedrückt; in dem Fall kann man den Satz ... nehmen.
***
Die folgende Anleitung habe ich (hauptsächlich auf der Basis einer Methode) für meine Klasse geschrieben:

Englisch-Lernen mit CD oder besser mit mp3/wav

1. BILDER ERZEUGEN, „Kopfkino“: Lies den Text durch. Stelle dir im Kopf in Bildern vor, was Satz für Satz passiert. - Viele neue Wörter wirst du aus dem Textzusammenhang verstehen, ohne dass du sie alle nachschlagen musst. Falls doch nötig, schlage die Bedeutung der neuen Wörter nach (vielleicht auch schon ganz am Anfang => Ausprobieren, wie es für dich besser ist).

2. AKTIVER INPUT: Höre den Hörtext auf CD mehrmals an, lies stumm mit und lass dabei deine Bilder im Kopf mitlaufen (bei mp3 kannst du evtl. die Abspielgeschwindigkeit reduzieren). Achte auf die Aussprache neuer Worte und sprich sie nach (PAUSE-Taste am CD-Player!).

3. PASSIVER INPUT: Wenn du verstehst, was im Text passiert, dann lass den Hörtext im Hintergrund mehrmals durchlaufen, ohne dass du dich darauf konzentrierst. In dieser Zeit sollst du etwas ganz anderes machen, das mit Sprachenlernen nichts zu tun hat. Dein Unterbewusstsein (ein Teil des Gedächtnisses) wird nun lernen und sich das Englische einprägen.

4. OUTPUT:
Lies den Text zur CD laut mit:
a) zuerst Satz für Satz (Satz anhören – PAUSE – Satz laut lesen – nächsten Satz anhören ...)
b) dann den ganzen Text am Stück
Und nun ohne in den Text zu schauen:
a) Zuerst Satz für Satz (Satz anhören – PAUSE – Satz nachsprechen – nächsten Satz anhören ...)
b) Dann den ganzen Text auf CD durchlaufen lassen und wie ein „Echo“ oder im „Chor“ mitsprechen (wenn es zu schnell geht, einfach zwischendurch auf PAUSE drücken.). Kontrolliere nochmals, ob du auch wirklich bei jedem Wort die Bedeutung verstehst, also ein Bild im Kopf siehst: Schließlich ist dies keine „Papagei-Übung“, in der man nur nachplappert ohne zu verstehen.

Effekt: Wenn du den Text praktisch auswendig kannst, dann hast du eine große Portion echter Sprache in dein Gedächtnis, d.h. in deinen Sprachschatz (nicht nur Wortschatz!) aufgenommen: Alles was im Text gesagt/gedacht wird, kannst du nun auch sagen und zwar flüssig am Stück und ohne dass du Wort für Wort mit langem Nachdenken und Übersetzen zusammenbasteln musst. - Mit mehr oder weniger starken Veränderungen des auswendigen Textes kannst du auch in ähnlichen Situationen flüssig sprechen.

***
(Anm.: Dies wäre dann die Stelle, an der weitergehende Bearbeitungen, Manipulationen, Übungen usw. zu den neuen Strukturen und Sprachmitteln folgen könnten; wohlgemerkt aber erst nachdem die oben genannten Schritte erfolgt sind!)

***

Die obige Anleitung habe ich (hauptsächlich auf der Basis einer Methode) für meine Klasse geschrieben. – Drei große Probleme zeigten sich:

1. Lerner/Eltern/Kollegen haften am Altbekannten fest wie an Klebstoff. Wobei man die Lerner noch am einfachsten mittels entsprechender Leistungsbewertung erreichen kann. Noten für auswendige Vorträge/Rollenspiele/Dialoge, auch kleine Theaterstücke eignen sich. Oder man gibt beispielhafte Textvorlagen vor Klassenarbeiten aus, von denen die Schüler Teile in der KA dann benutzen können um zu einem Thema zu schreiben; das müssen sie natürlich vorher wissen, sonst wird keiner die Textvorlagen anschauen. Überhaupt ist es zuerst nicht nachvollziehbar, warum man nun so elendslange Texte lernen soll, wo doch Vokabellisten viel schlanker erscheinen und Grammatik ein Muss ist (auch wenn sie kaum jemandem hilft!): Hier konnte ich eine gewisses Verständnis erreichen, indem ich die (auf Sinnvolles angewiesene) Funktionsweise des Gedächtnisses erläuterte, aber wie gesagt, dies alles erscheint beharrlich als „unnormal“.

2. Auch neueste Lehrwerke bieten meiner Meinung nach viel zu wenig auf CD für die Schüler und es finden sich darin kaum/zu wenige Texte, die für diese Memorier-Bearbeitung taugen, weil sie sinn“arme“ Grammatikskelette oder überfrachtete Vokabelhaufen, also kurzum unnatürlich sind. Die hierzu nötige Rubrik von natürlichen, alltags- und situationsgerichtetenTexten wurde bisher einfach kaum/nicht gebraucht oder verlangt (von eher gelegentlichen Themen wie etwa phone call/in a restaurant/etc. abgesehen).

3. Dieser Ansatz braucht natürlich eine entsprechende Neuordnung der verfügbaren Zeit. Was vom Bisherigen lässt man also weg, um derart zu arbeiten? Texte, die man bisher kurz las, ein paar Fragen dazu stellte und die Vokabeln aufgab, werden nun zu einem echten Unterfangen, das intensiv bis zum Memorieren durchgearbeitet wird. Wenn alles gut geht, sollte man sich die Zeiten für verschiedene Übungen sparen können, aber trotz allem wird die „Augen zu und durchs Schulbuch hindurch“-Geschwindigkeit nicht mehr möglich sein; vielleicht unterrichten wir dann aber wirklich Englisch und nicht mehr die im Schulbuch zufällig halt gerade vorgegebenen Lektionen und Übungen und Grammatikblöcke und Vokabellisten und ...

***
Bitte schreibt mir eure Gedanken oder Erfahrungen, ich brauche kreativen „Input“!

tivo

Hildegard
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Beitrag von Hildegard »

Hallo Tivo
Dein Posting liegt nun schon etwas länger zurück aber es interessiert mich und deshalb möchte ich Dir antworten.
Du schreibst etwas über einige Probleme, mit denen man sich schon sehr lange in der Fremdsprachendidaktik herumplagt.
Grundsätzlich ist man als Lerner einer Fremdsprache damit konfrontiert, dass diese Sprache nicht im unmittelbaren Umfeld Verkehrssprache ist. Der sprachliche Input ist also zeitlich sehr begrenzt, ist medial transportiert oder vom Lehrer abhängig. Lerner können sich – wenn sie sehr interessiert sind – zusätzlichen sprachlichen Input zum Beispiel durch Medien verschaffen.

Wir haben das Problem, eine echte ausreichende Interaktion zwischen Lerner und dem Experten für eben diese Sprache (Lehrer oder jemand anderes) herzustellen in der Situation des Fremdsprachenlernens, so dass ein Lerner aus dem Stress der bewussten Anwendung der Grammatikregeln herauskommen kann.

In Deinem Ansatz favorisierst Du in Teilen eine Vorstellung des Sprachmaterials auf eine Weise, in der der Lerner die Regeln impizit erfährt.
Alle diese Texte enthalten ja die Regeln einer Sprache. In Texten werden Grammatikregeln immer angewendet. Wir Menschen sind von Natur aus in der Lage zugrunde liegende Sprachregeln zu erkennen, wenn wir sie ausgiebig und oft wie in der muttersprachlichen Situation erleben. Es ist eine Situation, in der wir sehr viel von dieser Sprache erleben (sowohl rezeptiv als auch produktiv) wir sind dann Teil der Situation, in der diese Sprache gesprochen wird.

Kinder lernen ihre Muttersprache nicht gut, wenn sie nicht in einer guten Interaktion mit den Menschen in ihrem Umfeld stehen, die auf ihre Sprache reagieren. Die Rückmeldung ist sehr wichtig, um sich sprachlich zu entwickeln. Kinder bekommen also Rückmeldungen auf den sprachlichen Output, den sie produzieren. Meistens erhalten sie, wenn sie klein sind, eine Rückmeldung, die sich stark auf die inhaltliche Korrektheit beziehen.
Sagt ein Kind zur Mama „Daddy“, wird sie sehr wahrscheinlich protestieren, korrigieren und sagen No, he’s Daddy I’m Mummy.
Der grammatikalisch korrekte Satz wird meistens als Zugabe dazu gegeben, die Grammatikregel wird nicht explizit genannt.

Im Fremdsprachenunterricht versuchen wir uns auch durch die Bewusstmachung von Regeln zu behelfen, denn die natürliche Spracherwerbssituation ist nur schwer zu simulieren. Manchmal kann es einen Stress erzeugen (Bewusstmachung von Regeln) aber es kann auch helfen, weil wir ja – wenn wir es auch noch so sehr anders wünschen – im Fremdsprachenunterricht nur einen Anfang für das Lernen dieser Sprache, manchmal einen guten Anfang, machen können.

Will man weiter voran kommen, muss man in das Land, in der die Sprache gesprochen wird, fahren, oder man hat durch Zufall viel Kontakt mit Sprechern eben dieser neuen Sprache im eigenen Land, sonst kann man irgendwann keine Fortschritte mehr machen.

Theaterspiele, Rollenspiele, vielleicht Auswendig lernen einiger „Versatzstücke“ ist gut, weil sie sicherlich eine automatisierte Verwendung von Sprache ermöglichen, ganz neu ist es aber nicht, wenn ich das „sagen“ darf. Irgendwann muss man aber vielleicht auch mal etwas Neues sagen, weil man ein anderes Thema hat als alle anderen und dann muss man eine Sprache finden für eine Situation, die es vorher noch nicht gab und für die man auch kein genau passendes Beispiel nachahmen kann.
Zuletzt geändert von Hildegard am 2. Jun 2008 12:40, insgesamt 1-mal geändert.

Hildegard
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Beitrag von Hildegard »

Fast alle Lehrwerke der großen Verlage bieten zusätzliches sprachliches Material auf CD an.
Ich meine, dass sie ergänzend zum Unterricht gut sind, zumindest teilweise. Notgedrungen werden die Rückmeldungen, die der Lerner auf seine Fehler bei der Arbeit mit diesen Medien bekommt, immer etwas ungenau sein.

Wir brauchen viel guten sprachlichen Input aber wir brauchen auch viele Menschen, die passgenau auf Fehler des Lerners reagieren, so dass ein Mensch lernen kann. Das ist ja nicht so einfach im Fremdsprachenunterricht. Meistens ist dort ja nur einer, der sich auskennt, mehr oder weniger gut, alle anderen lernen ja auch erst.

Wenn man all diese Probleme bedenkt, ist es fast erstaunlich, dass wir doch immerhin einigermaßen eine fremde Sprache in der Situation des Fremdsprachenunterrichts erlernen können. Wir können also oft eine gute Basis schaffen.

Ich persönlich meine, dass man im Fremdsprachenunterricht mehr Wert auf Erwerbsstrategien legen könnte.

Wir sollten die Kinder in die Lage versetzen, Fragen zu stellen und sie ermutigen dieses auch eifrig zu tun. Den schlimmsten Fehler, den ein Fremdsprachenlerner machen kann, ist gar nicht zu sprechen.

Wichtige Fragen eines Lerners im Fremdsprachenunterricht.

„What’s „X“ in English?“
“Sorry I don’t understand.
“What’s that thing over there?”

Ich hoffe, dass Du etwas mit meinen Erläuterungen anfangen kannst und ich wünsche Dir viel Freude im Fremdsprachenunterricht. Immer kann er noch verbessert werden, das ist auf jeden Fall klar und manchmal nützt es auch sich daran zu erinnern, worum es geht. Die Grammatikregel ist ein Hilfsmittel, auf das ich in der Situation des Fremdsprachenlernens nicht verzichten möchte.



Hildegard

tivo
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Beitrag von tivo »

Hallo Hildegard!
Vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Sie gibt mir in jedem Fall viel guten Denk-"Input".

Gruß, tivo

tivo
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Beitrag von tivo »

Hi Jeffie! - Thanks for your reply.
You refer to the amount of time a teacher talks in the classrom
Well - no, I didn't or are you refering to Hildegard? But she didn't either, as far as I can see. Input isn't just conveyed through a teacher talking. I expect much more of providing students with lots of (authentic or adjusted) audio/video materials, mp3 players etc. - and "useful" texts of course. If we take it to extremes, the teacher might just have the role of managing and organizing the going-ons, since input is guaranteed via multi-media. Of course talks given by the teacher are one way of providing input, too.

I absolutly agree with your thougths on student activation in ESL classes versus lecturing by the teacher (or by one student, e.g. in presentations and so on). However to me it seems that often there is a step missing that should come before conversation:
The teacher should try to encourage the students to talk more during class by asking questions that force the students to answer and discuss.
Alright, this will produce language output, but let's consider the typical dilemma: Students use the rather small amount of language they already know; in doing so, they make the same mistakes over and over again, which leads to an even deeper imprinting of "their" mistakes; and they will tend to imitate their classmates' English (the main source of input in this case), which hardly is a good way of improving your own language skills.

Contemporary ESL methods are very much conversation oriented, i.e. output oriented. But you can only let out of your head what got in there before. I think there is too little input and imitation in most classrooms and ESL school books (maybe because it seems too trivial or "old-fashioned" or because people don't even think of it?), although I don't know a single teacher who does not complain about students' overall performance in English! Their complaining is justified considering the many hours and years students spend in English classrooms (and I am not speaking against students' attitudes here!).

Well, where should better English performance come from if not from putting better English into your inner storage by memorizing and imitating good sources?
1st step: lots of appropriate input + memorizing
2nd step: output, at first in the form of imitation, then with more and more manipulation through the student

I don't see another way. - What do you think?

Greetings, tivo

Hildegard
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Beitrag von Hildegard »

I think if the input is good, if it varies a lot, your chances will be better to perform better English in situations where you are supposed to use it yourself actively.

However, it is not enough to memorise language mechanically but it is very important to understand the situations when what form of language is used.


This was a big problem in English teaching in the past.

Pupils memorised a lot but only mechanically the situational context was often missing.

I am quite happy to see that the chances for a good English input have increased tremendously. It's no problem to watch English or American TV or use the internet.


Hildegard

Ripley Holden
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Beitrag von Ripley Holden »

Hallo Tivo,

ich würde gerne einen Aspekt anfügen. Eine häufig unterschätzte Möglichkeit, vernünftigen Input hinzubekommen liegt für mich darin, den SuS englischsprachige Fernsehserien mit Untertiteln im Original anzubieten. Aus meiner Sicht (und nach meiner Erfahrung) sind Serien gegenüber Filmen deshalb im Vorteil, weil im Optimalfall (das heißt bei Gefallen) eine Initialzündung passiert, die die SuS von ganz alleine motiviert, immer weiter zu sehen. Es versteht sich, dass es sich hierbei um eine Aktivität handelt, die den Unterricht und andere Aktivitäten zum Sprachenlernen nur ergänzen kann. Eine gewisse Menge solchen Inputs (zwei Stunden pro Woche sind schon prima) führt mittelfristig zu einem ähnlichen Ergebnis wie das von Dir entwickelte Verfahren. Die für das flüssige Sprechen benötigten Sprach-chunks sind oft genug vorgekommen, um intuitiv gekonnt zu werden. Darüberhinaus halte ich folgende Nebenwirkungen für bestechend:

1. Die Aussprache wird mit erworben, wenn Untertitel gelesen werden.
2. Das Gleiche gilt für die Rechtschreibung.

Ich habe außerdem die Erfahrung gemacht, das neben häufigem Üben die aktive Anwendung im realen Leben eine Schlüsselerfahrung ist. Allerdings habe ich meine Zweifel, ob es insoweit optimal ist, mit SuS ins englischsprachige Ausland zu fahren. Führt die Konfrontation mit Muttersprachlern bei zu vielen SuS nicht zu Einschüchterung und zum Gegenteil von "Srache ausprobieren und anwenden"? Im Studium habe ich eine Schule kennengelernt, die aus diesem Grund einen fest verankerten Englischaustausch mit einer Schule in Dänemark hat. Hier haben die beteiligten Schüler keine andere Wahl, als sich über die gemeinsam erlernte Fremdsprache zu verständigen. Meist haben die dänischen SuS freilich wegen der in Dänemark unsychronisiert (mit dänischen Untertiteln) ausgestrahlten englischsprachigen Fersehfilme freilich etwas bessere Startbedingungen (siehe oben). Für meine (zukünftige) Tätigkeit an der Schule habe ich mir vorgenommen, das auch einmal zu versuchen.

Und schließlich: Wenn Sprachenlernen besonders auf Situationen angewiesen ist, die nicht konstruiert sind: Warum nutzen dan LuL die englische Sprache nicht viel öfter außerhalb des Englisch-Unterrichts? Auf dem Schulhof, als Klassenlehrer usw. Die organisatorischen Dinge, die etwa für eine Klassenfahrt zu erledigen sind, kann ich doch auch auf Englisch erklären, oder? Natürlich teile ich das Ganze dann später auf Deutsch aus, damits jeder verstanden hat. Ich denke die Aufmerksamkeit der ganzen Klasse ist mir gewiss und alle versuchen, zu verstehen, was da gerade gesagt wird.

Viele Grüße,

Ripley

Delfino
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Beitrag von Delfino »

SuS / LuL

Not everybody is a trained teacher.
Therefore I'd like to know
what these two abbreviation mean.

Thank you.

Delfino

Ripley Holden
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Beitrag von Ripley Holden »

Sorry! It's "Schülerinnen und Schüler" and "Lehrerinnen und Lehrer". My contribution to gender mainstreaming....

BR,

Ripley

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