Partizipkonstruktion als eigener Satz

Alles zur englischen Grammatik.
How to deal with English grammar.
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mukilliz
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Partizipkonstruktion als eigener Satz

Beitrag von mukilliz »

Hallo
Ich lese gerade Brave New World von Aldous Huxley und da ist mir ein Satz aufgefallen den ich nicht verstehe.
Beckoning to a fair-haired, ruddy young man who happened to be passing at the moment. `Mr. Foster`,he called.
Ich dachte immer, dass solche Partizipkonstruktionen nur als Nebensatz fungieren können und nicht als eigenständiger Hauptsatz, weil es ja kein richtiger Satz ist ohne Prädikat ???
MfG




Duckduck
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Re: Partizipkonstruktion als eigener Satz

Beitrag von Duckduck »

Hi mukilliz,

ich wundere mich auch.  :denk: Alles wäre ganz einfach, wenn ein Komma vor "Mr. Foster" stünde, denn dann wäre dieser Teil natürlich der Hauptsatz und der erste Teil ein normaler Nebensatz. Dem müssen wir auf den Grund gehen. Da ich keine Lust habe, das Buch nach diesem Satz zu durchwühlen: kannst Du bitte etwas mehr Kontext geben (vorher und hinterher 2, 3 Sätze). Vielleicht erklärt sich da was?

Grüße
Duckduck
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mukilliz
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Re: Partizipkonstruktion als eigener Satz

Beitrag von mukilliz »

Also der Satz steht auf Seite 10 oben. Davor kommt wieder wörtliche Rede.
`And in exceptional cases we can make one ovary yield us over fifteen thousand adult individuals.´
Nach ´Mr. Foster,´ he called kommt dann einfach nur:  The ruddy young man approached.
MfG

Duckduck
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Re: Partizipkonstruktion als eigener Satz

Beitrag von Duckduck »

Hi nochmal, mukilliz,

diverse Grammatikbücher durchgeblättert habend :read: , würde ich mich zu der Aussage versteigen, dass es sich hier einfach um einen Fehler handelt. Ich jedenfalls finde keine stichhaltige Erklärung, wie man diesen Satz als regelkonform beschreiben sollte. Nicht mal als Ellipse will er mir gefallen, denn von einer Straffung der Aussage durch Weglassen eines Elemanetes kann man hier wahrlich nicht sprechen.

Also habe ich einfach mal die deutsche Übersetzung angeschaut und dort hat man einfach die Auflösung gewählt:
   "Er machte einem hellhaarigen, rotbackigen jungen Mann, der soeben vorbeiging, Zeichen."

So als stünde in der Vorlage "He beckoned to a fair-haired...".

Gut aufgepasst, mukilliz! :freu: Da haben wohl Generationen von Lesern einfach so drüber gelesen - ich auch! :rolleyes:

Schönen Sonntag noch!
Duckduck
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mukilliz
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Re: Partizipkonstruktion als eigener Satz

Beitrag von mukilliz »

Also liegt der Fehler darin, dass statt einem Punkt ein komma dahin muss ?
Ist diese Partizipkonstruktion als eigener Satz so komplett falsch oder wird das manchmal in der Umgangssprache so gemacht?
MfG

tiorthan
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Re: Partizipkonstruktion als eigener Satz

Beitrag von tiorthan »

Rein vom Standpunkt der formellen Korrektheit kann man in der englischen Sprache Satzzeichen setzen, oder weglassen, wie man will, denn es gibt keinen einheitlichen Standard und keine zentrale Vorgabe für die Zeichensetzung.

Natürlich haben sich gewissen Traditionen entwickelt, denn es ist für den Leser einfacher eine Zeichensetzung zu verstehen, wenn sie konsistent ist. Es gibt Style Guides von Zeitungen, Schulen, Universitäten, Firmen, Ämtern, Verlagen usw. und dann gibt es immer wieder Autoren, die eben ihren eigenen Kopf haben.

Es ist daher schwierig zu sagen, ob es dort überhaupt einen Fehler gibt, oder ob nur irgendjemand bei der Zeichensetzung eine Wahl getroffen hat, die uns ungewöhnlich erscheint.

Falls dieser Punkt Absicht ist, dann ist die Wahl, vor einer wörtlichen Rede einen Punkt zu setzen, nicht einmalig. Eine solche haben schon andere Autoren oder Textsetzer in der Vergangenheit getroffen. Üblich ist es jedoch nicht.
Ist diese Partizipkonstruktion als eigener Satz so komplett falsch oder wird das manchmal in der Umgangssprache so gemacht?
Die kurze Antwort ist: Eine solche Konstruktion ist kein eigener Satz, auch nicht in der Umgangssprache.

Die lange Antwort:

Wo ein Satz anfängt und aufhört wird nicht durch die Satzzeichen bestimmt sondern ausschließlich durch die Bedeutung.

Ein Satz ist die kleinste sinnvoll in sich abgeschlossene Einheit der Kommunikation.

Wichtig ist in dieser Definition das Wort "Kommunikation" nicht "Sprache", denn Kommunikation geht über die Sprache hinaus und beinhaltet auch den Kontext.

Kontext ist alles, was in einer Situation zur Erlangung von Informationen herangezogen werden kann. Es sind also Dinge wie zum Beispiel das Thema der Kommunkation, die vorangehenden Sätze, die Umgebung, die Gestik und Mimik, sogar die Allgemeinbildung usw.

Ein Beispiel:
Und du warst in der Nähe von Paris? - In!

Das "In!" ist ein ganzer Satz in diesem Kontext. Es nimmt den Kontext, der durch die Frage aufgebaut wurde, und korrigiert einen Teil der Informationen.

Eine solche Ausdrucksweise gilt in der englischen Sprache als sehr salopp. Es gibt zwar keine scharfe Abgrenzung zwischen der höchsten Form formeller Sprache und Slang, aber man kann grob sagen: Je formeller der Sprecher die Situation bewertet, desto mehr explizite Informationen werden im Satz ausgedrückt. Welche Informationen in welchem Grad der Formalität weggelassen werden können, ist kulturell sogar innerhalb der englischen Sprache unterschiedlich.

"Beckoning to a fair-haired, ruddy young man who happened to be passing at the moment." - Ist das ein Satz?
Für sich allein genommen kann es kein Satz sein, denn es ist keine abgeschlossene Einheit der Kommunikation. Das liegt schlicht daran, dass ein Partizip immer einen Bezug benötigt, und das ändert sich auch im höchsten Grad informeller Sprache nicht.

Aber, wäre die fehlende Information, also der fehlende Bezug, aus dem Kontext ermittelbar, dann könnte dies auch ein Satz sein. Da der Bezug jedoch erst danach kommt, ist dies in diesem Text nicht der Fall. Der Satz, im sprachlichen Sinne, endet hier vielmehr erst nach der folgenden wörtlichen Rede. Man hat hier also einen einzelnen Satz, in dem jemand einen Punkt mitten rein gesetzt hat.
You're never too old to learn something stupid.
MistakeSuggestionYou sure that's right?

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