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tivo
Slow Speller
Registriert: 5. Apr 2008 23:53 Beiträge: 18
Muttersprache: German
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Hallo! -
Ich möchte erst etwas ausholen, aber am Ende kommen zwei konkrete Ansätze!
Natürlich gibt es gewisse Kniffe und Tricks, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass ein Lerner eine Sache interessant findet und Motivation plus Ausdauer freisetzt, doch im Endeffekt ist es immer eine tiefe innere Entscheidung des Lerners selbst; ganz überwiegend ist es natürlich eine Entscheidung, die vom Lerner vollkommen unbewusst getroffen wird, aber nichtsdestotrotz ist diese Entscheidung das fundament für alles Weitere im Lernprozess: Ein brüchiges Fundament ergibt ein brüchiges Haus, auch wenn man mit Goldbarren hochmauert.
Es bringt aber auch nichts jetzt zu glauben, dass man den Schuldigen gefunden hat ("er will halt nicht, selber schuld") damit ist nichts erreicht. Die Zusammenhänge sind enorm vielfältig und komplex: da sind z.B. die Einstellungen und Vorbilder aus der Umgebung, Clique, Eltern, Verwandte, Klassenkollegen oder auch negative Erlebnisse, die Blockaden schufen, die eigenarten des Unterrichts/Lehrers, Probleme im Schulalltag, persönliche (ab-)Neigungen ... es ist also ein riesiges System, das sich hier in einer gewissen Weise ausdrückt oder eben ein gewisses Ergebnis produziert. - Die Idee von "er müsste halt mal wollen" trägt nicht weit und dass man dem Lerner dies sagt und es etwas bewirkt, naja, ein recht aussichtsloses Unterfangen, denke ich: Sonst wäre ja in der schule alles kein Problem.
Eine gute Merkhilfe ist für mich Folgendes: das Verhalten einer Person ist wie ein Gummiband gespannt zwischen seiner Ausgangslage (Motive, Vorgeschichte usw.) und seinen Zielen. Wenn ich das Verhalten in eine andere Richtung ziehe, so wird es beim nachöassen des Zuges/Druckes sofort in die Ausgangslage zurückspringen. Es bleiben also nur Ausgangslage und Ziele, an denen man arbeiten kann (das jeweilige Verhalten ist nur ein resultierendes Produkt aus beiden).
Wie ändert man nun die Ausgangslage oder Ziele? Ich schätze die Ausgangslage ist, wie sie ist; wie soll man jemand so schnell hopplahopp in eine andere Situation stecken, das fällt (in der üblichen Schule) meist als Möglichkeit aus (wird jedoch in "alternativen" Schulen oft intensiv angestrebt, nur so am Rande erwähnt). Bleiben die Ziele. Wie kann nun der Lerner in seinem tiefsten Inneren eine Zielvorstellung erzeugen, die ihn dazu veranlasst sein (Lern-)Verhalten positiv (im Sinne der Schule) zu verändern. - Ich glaube es bedarf einer Bewusstmachung seiner momentanen Situation, er muss voll und ganz auf sich selbst "geworfen" werden. Niemand nimmt ihm Arbeit und Verantwortung ab, es nimmt ihm aber auch niemand eine Zieldefinition ab.
Indem man für ihn die "Arbeit" macht, verfestigt sich nur die ungünstige Verhaltensweise. Es dürfte aber auch so sein, dass der betroffene Lerner bisher nie (zumindest nicht im Bereich des Englischlernens) die Möglichkeit bzw. die Anregung hatte selbst Ziele (unbewusst) zu definieren - das heißt, dass hier ein entscheidender, veilleicht sogar der überhaupt entscheidenste, Unterbau fehlt. Und so muss sich zeigen, ob seine bisherigen Fähigkeiten für die Anforderungen reichen, also um genug Motivation zu entwickeln oder ob er eben noch nicht so weit ist.
Jetzt die versprochenen zwei konkreten Ansätze:
1) Nichts abnehmen: keine Arbeit, keine Zieldefinitionen
2) aber mit dem Lerner Zielpläne schriftlich festlegen, im Sinne einer gemeinsamen Absprache, nicht im Sinne von "ich sage dir, was du tun musst": was? wie? bis wann? und was passiert, wenn diese Pläne nicht eingehalten werden. Die vereinbarten Konsequenzen müssen dann unbedingt durchgeführt werden ... was der Lerner vermutlich zu umgehen versuchen wird (das ist sein bisher erfolgreiches Strategieprogramm, das nun nicht mehr funktionieren soll).
Leider kenne ich keine "klappt immer"-Tipps, es bleibt ein großer erfinderischer Aufwand; für die zwei Prinzipien sehe ich (gerade) aber keine Alternative.
Toi, toi, toi!
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