Keswick hat geschrieben:
Vielleicht sollte man hier im Zusammenhang auch einmal auf das Alter des Kindes und die Intentionen der Eltern achten. Wenn ich einem Kind die Basis der deutschen Sprache beibringe bzw. der Papa ihm die Grundsaetze der englischen Sprache, dann sprechen wir nicht ueber Kontext, Satzstruktur und Co. Nicht im Alter von (beispielsweisen) 1,5 Jahren.
Kinder, die unter Muttersprachlern aufwachsen zeigen bereits vor beginn des aktiven Sprechens ein Erkennen von grammatikalisch richtigen und falschen Strukturen.
Zitat:
Da hoert der Kleine vom Papa "Mom's in the kitchen" und von Mama hoert er "Papa schlaeft". In diesem Alter geht es darum, dass das Kind vom Hoerverstehen kapiert, dass es 2 verschiedene Sprachen sind und es waechst nur langsam in die Grammatik rein.
Kinder wachsen sehr viel schneller in die Grammatik hinein als es in ihrem Sprachgebrauch den Anschein macht. Grammatik ist für einen Erst- und Zweitsprachenlerner ein integraler Bestandteil der Sprache und nichts, was sich nach und nach formt. Sie ist von Anfang an vorhanden und bei normaler Sprachentwicklung auch erkennbar.
Zitat:
Hoerverstehen ist hier glaube ich der wichtigste Punkt. Einsprachig erzogene Kinder kennen ihre Muttersprache auch nur vom Hoerverstehen bis sie in Vorschule und Schule an Schrift, Lesen und Grammatik herangefuehrt werden.
Hörverstehen findet auf sehr vielen Ebenen statt. Richtige Aussprache beherrschen nur sehr wenige Deutsche, aber sie ist ein sehr wichtiger Punkt im Verständnis, sogar Muttersprachler haben oft Probleme andere Dialekte zu verstehen. Es geht ja nicht darum sich mit anderen
Deutschen auf Englisch unterhalten zu können, sondern mit Leuten, deren Aussprache, Satzmelodie, Satzstruktur und Vokabular sich drastisch von den eigenen Kenntnissen unterscheiden. Das Problem mit dem Hörverstehen bei Fremdsprachenlernern liegt daran, dass sie die Sprache immer nur von anderen Fremdsprachenlernern hören. Nach nur wenigen Monaten unter Muttersprachlern ist das Problem normalerweise völlig aus der Welt, vorausgesetzt, dass man die Sprache sowieso versteht.
Dana Lion hat geschrieben:
@tiorthan
Deine Meinung in allen Ehren, aber ich habe bis jetzt noch kein Kleinkind gesehen, dass schon zu Sprachbeginn grammatikalisch ausgefeilte Sätze von sich gibt. Es liegt mir einfach am Herzen, ihr von Beginn an beides mit auf den Weg zu geben, Englisch und Deutsch. Ich wäre froh gewesen, meine Eltern hätten das mit mir gemacht. Ich habe zum Beispiel auch schon mit dem Gedanken gespielt, sie in einen englischen Kindergarten zu schicken.
Ich weiß nicht, ob du schon einmal eine Sprache gelernt hast, die nicht so nah mit dem Deutschen verwandt ist wie das Englische. Aber seit ich Irisch lerne beschäftige ich mich sehr intensiv zum Beispiel mit Kinderbüchern. Sie sind ein interessantes Material um zu sehen welche Komplexität ein Kind schon
verstehen kann. Dabei kann man feststellen, dass nach den reinen Bilderbüchern schon die Bücher kommen, in denen Geschichten in kompletten Sätzen erzählt werden, die von Anfang an die gesamte Palette der Grammatik benutzen, auch wenn die Schachtelungstiefe der Sätze und das Vokabular noch nicht so groß sind.